Piwik: Open Souce Webanalytics mit Schwächen

Ich habe mir die letzten Tage mal Piwik näher angeschaut – das OpenSouce Projekt basiert auf phpMyVisites und möchte eine OpenSource Alternative zu Google Analytics werden. Ehrgeizige Ziele!

Aktueller Entwicklungsstand

Piwik befindet sich zum aktuellen Zeitpunkt in Version 0.2.2 – eine recht frühe Betaversion die sich für den produktiven Einsatz noch nicht eignet. Das erste Major Release ist für das erste Quartal 2009 geplant – in gut einem halben Jahr könnte eine echte kostenlose Alternative zu Google Analytics stehen!

Installation

Der offensichtlichste Vorteil von Piwik gegenüber Google Analytics ist die Datenhaltung: Während viele Unternehmen davor scheuen alle gespeicherten Daten bei Google zu speichern (oder eine legt Piwik Trackingdaten auf dem eigenen Weberver ab – kein Dritter bekommt Zugang, sofern nicht gewünscht.

Piwiks Anforderungen an den Webserver sind recht gering:

  • PHP 5.1
    • 128 MB zugewiesener Arbeitsspeicher
    • PDO
  • MySQL 5.0
  • Apache 2 (IIS noch buggy)

Die Installation mittels Weboberfläche geht recht zügig, 8 simple Schritte und Piwik ist startbereit! Anschließend wird wie üblich der Tracking Code auf der zu überwachenden Webseite eingebunden: Bei Piwik handelt es sich um JavaScript Code + Zählpixel (momentan ist noch ein versteckter Link zur Piwik Webseite eingebaut, das wird sich Google wohl nicht lange gefallen lassen).

Funktionsweise

Piwik legt alle Trackingdaten zunächst im Rohformat ab – beim Login eines Benutzers werden diese dann verarbeitet. Zugriff bekommt man über eine Weboberfläche – es gibt einen Superuser Account, mit dem man Accounts verwalten, Plugins installieren und Webseiten verwalten kann.

Grafische Oberfläche

Screenshot Piwik Dashboard

Die grafische Oberfläche sieht zunächst einmal sehr schick aus: Flash Charts wie man sie u.a. von Google Analytics kennt, ein frei gestaltbares Dashboard für jeden Benutzer. Alle Kennzahlen werden mittels Widgets angezeigt – zunächst nur in tabellarische Form – durch einen Click auf darunterliegende Icons werden diese aber als hübsche Balkendiagramme, Tortendiagramme oder Tagclouds (!) dargestellt.
Diese Diagramme lassen sich auch auf externen Webseiten anzeigen – sollten Sie wenigstens, momentan funktioniert das leider noch nicht richtig, zumindest wenn man nicht gleichzeitig eingeloggt ist – und dann verliert dieses Feature wieder an Sinn.

Im Hintergrund werden fleißig Ajax Requests mittels jQuery gesendet – das hat zur Folge, dass nur die benötigten Bereiche neugeladen werden und nicht die komplette Seite aktualisiert werden muss. Leider ist das ganze noch ein wenig fehleranfällig, das wird sich bis zur Version 1.0 aber sicherlich legen.

Kennzahlen

Visits

Die bisherigen Auswertungen von Piwik sind noch eher dünn und unterteilen sich wie folgt:

  • Visitors
    • Allgemein (Besucher, Besuche, Pageviews)
    • Browsereinstellungen
    • Datum / Zeit (inkl. Besuchsdauer)
    • Frequency / Loyality
  • Actions
    • Seiten
    • Ausgehende Links
    • Downloads
  • Referers
    • Entwicklung
    • Suchmaschinen & Keywords
    • Webseiten
    • Kampagnen
    • Partner

Zunächst ist das natürlich erstmal recht dünn – Piwik liefert kaum mehr Daten als freie OnlineCounter oder Logfile Analysen à la AWStats.

Trends & Vergleiche

Bisher gibt es in der grafischen Oberfläche keine Möglichkeiten die verschiedenen Kennzahlen zu vergleichen – ich kann mir immer nur den zeitlichen Verlauf einer einzigen Kennzahl anschauen. Weder die Gegenüberstellung mit anderen Kennzahlen noch Vergleiche über verschiedene Zeiträume sind möglich. Das ist natürlich sehr schade und ein wirklich großer Nachteil, den es zu beheben gilt.

Datenexport

Piwik Export

Vorbildlich ist der Zugriff auf die gesammelten Daten möglich: Über die integrierte API sind so gut wie alle gesammelten Daten zugänglich und können in die Formate XML, JSON, CSV, HTML, PHP und RSS exportiert werden.

Erweiterbarkeit

Piwik ist vollständig durch Plugins erweiterbar! Die Entwickler haben sich am Plugin System von Wordpress orientiert, mittels Hooks lassen sich sowohl das Sammeln der Rohdaten, die grafische Oberfläche als auch die API erweitern.
Bei einer gut motiviert Community kann man sich auf recht viele interessante Plugins freuen: Ideen gibt es bereits, hier einige Vorschläge aus der Community:

Diese offene Plugin Schnittstelle halte ich für die größte Stärke von Piwik – neben einer großen Pluginvielfalt kann man auch individuelle Plugins anfertigen – oder anpassen.

Ausblick

Neben den genannten Erweiterungen ist ein Plugin zur Definition von Zielen für spätere Versionen geplant, die Dokumentation - sowohl für Anwender als auch Entwickler wird stark ausgebaut. Die Lokalisierung in verschiedene Sprachen ist schon weit fortgeschritten, so steht Piwik bald in vielen Sprachen zu Verfügung (darunter auch deutsch).

Fazit

Piwik macht einen recht guten, aber dennoch sehr frühen Eindruck. Bis zur vollwertigen Analytics Lösung muss noch viel Arbeit geleistet werden, hier hängt Google Analytics die Latte natürlich sehr hoch. Trotzdem kann man Piwik im Auge behalten, derzeit werden von mehreren Unternehmen Programmierer eingestellt um die Entwicklung vorranzutreiben. Momentan reicht es noch nicht für den produktiven Einsatz, aber möglicherweiße in einigen Monaten – mit Blick auf die Roadmap sieht die geplante erste stabile Version jedoch immer noch recht blass aus. Bis Piwik einen ähnlichen Funktionsumfang erreicht wie Google Analytics ihn bereits heute bietet dürften noch mehrere Monate vergehen.

Ich bin mir derzeit noch nicht wirklich sicher, ob die Entwickler hinter Piwik wissen worauf es ankommt – Project Manager Matthieu war schon Chefentwickler von phpMyVisites – Web Statistics und nicht Web Analytics – das sieht man Piwik derzeit noch an.

Ich halte Piwik bisher auf jeden Fall für keine gute Alternative – auch wenn Größen wie ReadWriteWeb das anders sehen. Derzeit kostet vernünftige Web Analytics Software eben – Daten oder Geld.

Weiterführende Links